Ich kann mich noch gut an meinen ersten Kuss erinnern. Wir müssen so ungefähr acht gewesen sein. Eine Straße von unseren Elternhäusern entfernt stand eine große alte Kastanie, die sich auch gut als Kletterbaum eignete. Lotta und ich kletterten rauf und spielten wie immer „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Plötzlich unterbrach sie das Spiel, schaute mich an und küsste mich auf den Mund. Ich glaube der Kuss dauerte einige Momente. Als er vorbei war, fragte ich sie, ob sie in mich verliebt sei. Das verneinte sie empört und antwortete, sie wollte nur wissen, wie es sei.
Seit diesem Tag war in unsterblich in Lotta verliebt, aber sie nicht in mich. Als beste Freunde verbrachten wir fast jeden Tag miteinander. Wir fuhren sogar gemeinsam in die Ferien, da unsere Eltern gut befreundet waren. Das ging über Jahre gut, bis wir in der Oberstufe unsere Abschlussfahrt hatten. Lotta und ich waren am letzten Abend noch wach, als alle anderen schon im Bett waren. Wir quatschten wie immer über Gott und die Welt und werteten die Fahrt aus. Dabei mussten wir so laut lachen, dass Lotta mir ihre Hand auf den Mund legt, damit die anderen nicht wach wurden. Während ihre Hand auf meinem Mund lag, schaute ich ihr in die tief braunen Augen. Irgendwie nahm ich an, dass wir uns in dieser Situation einig waren und so kam es zu einem erneuten Kuss nach ungefähr zehn Jahren.
Nachdem wir am Morgen Arm in Arm erwachten, tat sie so, als sei alles beim alten und behandelte mich weiterhin „nur“ wie ihren besten Freund. Diese Situation ertrug ich noch zwei Monate. Dann sprach ich Lotta auf diese Situation an und gestand ihr meine Liebe. Danach lächelte sie mich nur an und sagte, dass ich eben ihr bester Freund sei. Danach zogen wir beide in verschiedene Städte zum studieren. Sie war ein Single in Hannover und ich ein Single in Dresden. und der Kontakt begann zu bröckeln, da ich mit der Situation nicht klar kam. Ich vermisste sie sehr!
Nach einer Singleparty in unserem Studentenclub klingelte es am morgen plötzlich an der Tür. Ich war zu faul aufzustehen, da ich auch noch ein bißchen verkatert war. So ließ ich es klingeln, bis mein Mitbewohner öffnete. Kurz danach ging meine Zimmertür und ich warf mein Kissen nach meinem Mitbewohner in der Hoffnung, dass er ohne einen Ton zu sagen, mein Zimmer wieder verlässt. „Das ist aber eine nette Begrüßung!“ hörte ich eine vertraute Stimme sagen. Lotta! Ich sprang aus dem Bett und stand in Unterhose und äußerlich ziemlich zerstört vor ihr. Sie lächelte mich an, gab mir einen langen Kuss und flüsterte mir ins Ohr „Ich liebe dich auch!“
Das ist nun schon 27 Jahre her und ich feiere morgen mit meiner Traumfrau unsere Silberhochzeit.
